No Hate Speech Movement – “Mit Energie und Konsequenz gegen Bullshit”

Internationale Konferenz in Berlin der No-Hate-Allianz des Europarats am 13. Februar 2017

Internationale Konferenz in Berlin der No-Hate-Allianz des Europarats am 13. Februar 2017

So mancher schiebt die Schuld für Hassnachrichten, die tagtäglich in Kommentarspalten und sozialen Netzwerken auftauchen, auf die neuen Medien: ohne Facebook, Twitter und Konsorten gäbe es solch menschenverachtende Beiträge nicht. Die Medien an sich, ob neu oder traditionell, sind jedoch neutral; sie dienen der Vermittlung von Botschaften. Das “Neue” an den neuen Medien sind die veränderten Möglichkeiten der Kommunikation und die Formen die Botschaften annehmen können.

“Gleich und gleich gesellt sich gern” – Menschen suchen im Allgemeinen die Nähe zu Gleichgesinnten. Die rezenten Entwicklungen in der Medienwelt bewirken einerseits, dass sich Gruppen weniger von einander abschotten können und öfter mit anderen Werten und Lebenswelten konfrontiert werden. Andererseits kreieren soziale Netzwerke sogenannte Echo-Räume, Räume in denen Menschen immer nur ihre eigene Auffassung als Echo zurückbekommen und sich so in ihrer Meinung bestärkt fühlen.

Heute sind mehr Menschen online als je zuvor und doch hinken wir den Entwicklungen der digitalen Gesellschaft hinterher und fühlen uns oft verunsichert. Privatsphäre und Öffentlichkeit vermischen sich, postet jemand etwas als Privatperson oder in seiner öffentlichen Funktion? Welcher Quelle können wir trauen und woher bezieht diese ihre Informationen?

Sascha Lobo

Sascha Lobo

Hassnachrichten dienen oft als Ventil; sie stellen einen Versuch dar, die eigene Hilfslosigkeit zu bewältigen. Der Verfasser findet Bestätigung in der Zustimmung durch die Gruppe. Hinzu kommt eine selektive Wahrnehmung und Verarbeitung von Informationen, die dann zum Aufbau von Echo-kammern und sektenhaften Gedankengebäuden führen kann. Logik spielt in diesen Fällen also nur noch eine untergeordnete Rollem, mit den Worten des Bloggers Sascha Lobo “Es fing damit an dass er zurückschlug”.

Wann die Grenze zwischen menschenverachtendem Gedankengut und hassgeführten Handlungen überschritten wird, ist schwer zu sagen (und noch nicht ausreichend erforscht). Es ist jedoch festzustellen, dass zum Beispiel die Hemmschwelle für Gewalt gegenüber von Flüchtlingen gesunken ist. Frauen, Juden, sogenannte “Gutmenschen” werden bedroht; Minderheiten ziehen sich aus der Öffentlichkeit zurück.

Die neuen Medien entziehen dem menschlichen Kontakt eine gewisse physische Unmittelbarkeit. Mitglieder von Minderheiten werden als Symbole wahrgenommen, der direkte Kontakt löst diese Illusion auf. Laut Bernd Harder, Forscher am GWUP, kann man mit der Hälfte der Verfasser von Hassnachrichten ins Gespräch kommen, 10% verstärken ihre radikalen Auffassungen dadurch noch. Trotzdem ist es wichtig falsche Informationen zu berichtigen und vor allem den vielen stillen Mitlesern zu zeigen, dass es auch andere Meinungen gibt. Falschinformationen sollten sachlich, aber bestimmt, richtig gestellt werden.

 

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