CSV distanziert sich von Schulreformen!

P1020239Tessy Scholtes, seit dem 3. Mai 2011 CSV Abgeordnete, hat am Samstag, den 19. Januar 2013 auf Seite 6 im Luxemburger Wort einen Blick auf die Schulpolitik geworfen und einen Ausblick auf das gewagt, was noch kommen soll und sich ganz allgemein mit der Thematik auseinandergesetzt[1].

Das ist erst mal positiv. Seit mindestens 8 Jahren warte ich auf eine Aussage zu unserem Schulsystem aus dem Lager der CSV. Die CSV-Abgeordnete hat auch einige wichtige Aspekte der Reform der Grundschule aufgezählt: die neue Bewertung, die Freistellungen des Lehrpersonals für dies und jenes, der Sprachenunterricht als größte Herausforderung unseres Schulsystems, die wachsende Heterogenität der Schüler.

Scholtes schreibt: „Es wäre endlich an der Zeit, sich mit konkreten Fragen auseinanderzusetzen.“ Dann holt sie zum Totschlagargument aus: „Und wo bleibt das Kind, das eigentlich im Mittelpunkt aller schulpolitischen Diskussionen stehen sollte?

Da erlaube ich mir doch zu fragen, wo die CSV all die Jahre blieb und wie es um die Verantwortung der CSV in der Regierung stand und steht? Der große Regierungspartner schaut tatenlos zu, wenn die Schule jahrelang am Kind vorbei reformiert wird? Scholtes hat ihren Artikel als bildungspolitische Sprecherin der CSV unterzeichnet. Ich gehe also davon aus, dass ihr Artikel in ihrer Partei abgesegnet wurde und weder naiv noch unschuldig zu eben diesem Zeitpunkt veröffentlicht wurde. Die CSV scheint auf Distanz zur LSAP Unterrichtsministerin zu gehen – und auf Annäherung zur Lehrerschaft. Vermutlich rechnet niemand mehr mit einer tiefgreifenden Schulreform im „Secondaire“ ein Jahr vor den Landeswahlen, da wird es so langsam Zeit, einer elektoral doch sehr großen Bevölkerungsgruppe die Hand zu reichen.

Zur Reform des Sekundarunterrichts schreibt Scholtes: Die Zahlen der Misserfolgsquoten, der Aufteilung der luxemburgischen und ausländischen Schulbevölkerung in ES und EST und der Schulabbrecherquote „sprechen für sich und stellen einen einzigen Reformvorschlag für alle Schüler in Frage. Vielmehr müsste hier auf die verschiedenen Problematiken eingegangen und angepasste Lösungsvorschläge ausgearbeitet werden.“ Die Problematik des Sprachunterrichts im „Secondaire“ unterschätzt Scholtes meiner Meinung nach („man kommt nicht daran vorbei, sich Gedanken über den Sprachenunterricht zu machen“) .  Zum Stichwort Wissenschaft meint sie: „Es wäre eine Überlegung wert, verschiedene Fächer früher und mehr zu fördern.“ Über das was und wie schreibt sie nichts. Sie möchte bloß so manches noch in die Stundenpläne integrieren, dieselben Stundenpläne, die sie im nächsten Abschnitt wieder als hoffnungslos überspannt beschreibt.

Schließlich wirft Scholtes den Reformern aus der Regierung vor, „viele neue Maßnahmen würden nur angedeutet, anstatt konsequent durchgeführt zu werden“ und zu guter letzt warnt die bildungspolitische Sprecherin der CSV davor, ideologisch vorzugehen. Dabei bedeutet  `ideologisch vorgehen` wahrscheinlich `etwas anderes wollen als die CSV`.

Eines scheint klar: die CSV trägt die Reformen der CSV-LSAP Regierung nicht mit: „Vielen Herausforderungen an unser Grundschulsystem trägt die Reform nicht Rechnung.“  „Und wo bleibt das Kind?“ „Und auch hier kann man sich fragen, ob diese Reform (Sekundarschulen) den wesentlichen Problemen unserer Schulen gerecht werden kann.“ … Womit ich allerdings immer noch nicht weiß, was denn jetzt die CSV eigentlich bildungspolitisch will!


[1] Scholtes T., Anforderungen an die Schule von heute, LW 19.01.2013, S. 6

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